Liebe Freundin…
manchmal fühle ich mich wie ein Alien.
Ich spüre es täglich. Vor allem durch Menschen, die mir mit gut gemeinten Ratschlägen zur Seite stehen, um die ich sie nie gebeten hatte.
Ein Alien, der absolut geliebt wird, aber manchmal auch völlig unverständig angeschaut. Zum Beispiel für meine Liebe zu nebligen Wegen. Dabei könnte ich es doch so schön entspannt haben, mir endlich einen Mann suchen und zur Ruhe kommen. Oder wenn schon das nicht, dann doch zumindest die Karriereleiter ein bisschen hochklettern. Am besten so weit, bis ich die Englein singen höre. Denen könnte ich ja dann erzählen von… ja wovon?
Meinem aufregenden Burnout auf Sprosse drei vielleicht, ja das wäre möglich. Aber dieser Alien will einfach nicht hören. Lehnt eine Leitungsstelle lieber ab, um das zu tun, was er liebt, anstatt etwas zu sein, was sich vermeintlich gut anhört.
Aber liebe Freundin, ich glaube einfach das ist eine Farce. Die beste und aufregendste Reise meines Lebens, war die zu mir selbst. Da konnte auch der Gang auf der chinesischen Mauer nicht mithalten. Genauso wenig wie ein kleiner Einbruch in unseren städtischen Schlosspark bei Nacht mit einem Mann, der mich damals schier um den Verstand brachte. Zugegeben, es war sehr aufregend. Und auch irgendwie sexy. Weniger für meinen Komplizen, der feststellen musste, dass ich nicht gerade die richtige Wahl für eine spontane Zaunüberquerung war, sobald das Flutlicht ansprang. Ich sollte dringend mehr Sport treiben.
Mein Adventsteller dieses Jahr ist wunderschön, aber nicht besonders weihnachtlich. Das zumindest habe ich mir sagen lassen. Liebevoll, aber mit ein bisschen Unverständnis im Blick. Alien eben. Dabei finde ich, dass er weihnachtlicher nicht sein könnte. Orientalisch anmutend, mit Buddhaköpfchen versehen, kleinen Weihnachtskugeln und dem Duft von Zimt, Anissternen und schwarzem Tee.
Ein Gesteck, das gleich mehrere Kulturen zu einer wundervollen Einheit macht und zeigt, wie schön Unterschiede zusammen wirken können. Friedlich, ästhetisch und feierlich. Geht es nicht genau darum an Weihnachten?
Aber es besteht Hoffnung. Die Kelly Family singt „Fell In Love With An Alien“. Ich liebe diesen Song. Meine Nachbarn nicht. Nicht mehr zumindest. Aber daraus habe ich gelernt, dass auch Aliens geliebt werden. Und das werde ich. Dann bleib ich doch einfach mal wie ich bin…
Die innere Logik dahinter…
Viele Menschen glauben, ihr Unwohlsein entstehe dadurch, dass sie anders sind.
Tatsächlich entsteht es häufig erst dann, wenn sie beginnen, ihre Andersartigkeit als Problem zu betrachten.
Wir Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Schon früh lernen wir, welche Verhaltensweisen Anerkennung bringen und welche eher auf Unverständnis stoßen. In Familien, Freundeskreisen und unserer Gesellschaft entstehen Vorstellungen davon, wie ein „gelungenes Leben“ aussehen sollte: eine bestimmte Karriere, eine bestimmte Partnerschaft, bestimmte Ziele oder Interessen.
Wer davon abweicht, stellt sich oft irgendwann die Frage:
„Stimmt etwas mit mir nicht?“
Dabei steckt hinter diesem Gedanken meist kein tatsächlicher Fehler, sondern ein innerer Konflikt. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Verbundenheit und Anerkennung. Auf der anderen Seite der Wunsch, authentisch zu leben und den eigenen Weg zu gehen.
Viele Menschen versuchen diesen Konflikt zu lösen, indem sie sich anpassen. Sie treffen Entscheidungen, die gut nachvollziehbar sind, obwohl sie sich innerlich nicht stimmig anfühlen. Kurzfristig kann das Sicherheit geben. Langfristig entsteht jedoch häufig eine innere Spannung, weil wichtige Teile der eigenen Persönlichkeit keinen Platz mehr bekommen.
Selbstbewusstsein bedeutet deshalb nicht, bewusst anders sein zu wollen oder sich von anderen abzugrenzen.
Selbstbewusstsein bedeutet, die eigene Art wahrzunehmen und ihr einen Platz zu geben.
Ein weiterer Schritt besteht darin, zu erkennen, dass wir nicht von allen Menschen verstanden werden müssen, um in Ordnung zu sein. Viele Selbstzweifel entstehen nicht durch unsere Eigenheiten, sondern durch die Hoffnung, dass andere sie bestätigen oder nachvollziehen mögen.
Doch Selbstakzeptanz beginnt oft genau dort, wo wir aufhören, unsere Persönlichkeit ständig rechtfertigen zu müssen.
Andersartigkeit ist kein Hinweis darauf, dass etwas mit uns nicht stimmt.
Sie ist häufig einfach Ausdruck davon, dass jeder Mensch die Welt auf seine eigene Weise erlebt, interpretiert und gestaltet.
Vielleicht geht es deshalb weniger darum, sich anzupassen.
Vielleicht geht es darum, sich selbst besser kennenzulernen und darauf zu vertrauen, dass Zugehörigkeit auch dann möglich ist, wenn wir nicht überall hineinpassen.
Wenn dich solche inneren Dynamiken beschäftigen, findest du hier mehr über meine schriftliche Begleitung.